Person is scanning the DPP of a garment with a smartphone

Warum der Digital Product Passport mehr ist als nur Regulierung

Münchendorf, Januar 2026

Aus Pflicht wird Potenzial

Der Digital Product Passport (DPP) wird aktuell viel diskutiert – oft als zusätzliche regulatorische Pflicht. Der DPP wird in der EU eingeführt, das ist Fakt. Warum sich gerade das Unternehmen Securikett so intensiv mit diesem Thema, wollten wir hinterfragen und haben hierzu Stefan Führer, bei Securikett verantwortlich für diesen Bereich, interviewt.

Digital Product Passports applied on different products

Der Digitale Produktpass kommt schrittweise für unterschiedliche Produktgruppen.

Redaktion:
Warum beschäftigen sie sich so intensiv mit dem Thema DPP?

Stefan Führer:
Weil wir überzeugt sind, dass der DPP ein struktureller Wendepunkt ist. Die EU verändert mit dem Digital Product Passport grundlegend, wie Produktinformationen gedacht, bereitgestellt und genutzt werden. Viele Unternehmen sehen zunächst nur den regulatorischen Druck. Unser Blick ist ein anderer: Der DPP kann – richtig umgesetzt – zu einem echten Mehrwertinstrument werden, das weit über Compliance hinausgeht.

Redaktion:
Was genau versteht man unter einem Digital Product Passport – ganz ohne juristische Details?

Stefan Führer:
Im Kern ist der DPP der digitale Lebenslauf eines Produkts: eine strukturierte Sammlung zentraler Informationen zu Identität, Herkunft, Materialien, Nutzung, Reparatur und Verwertung – abrufbar über einen digitalen Zugang am Produkt, etwa per QR‑Code. Wichtig ist dabei: Nicht jeder sieht alles! Zugriffe sind rollenbasiert. Konsumenten sehen andere Inhalte als Servicepartner oder Behörden.

Redaktion:
Viele Unternehmen fragen sich: Warum dieser Aufwand? Wo liegt die eigentliche Chance?

Stefan Führer:
Genau hier liegt aus unserer Sicht der entscheidende Punkt. Wer den DPP nur als Pflichtübung betrachtet, sammelt Informationen einmalig und unter Zeitdruck, ganz nach dem Motto: „Was muss ich liefern, damit ich compliant bin?“ Wir glauben, dass damit enormes Potenzial verschenkt wird. Wer ihn als Plattform denkt, baut eine verlässliche, zentrale Datenquelle auf und kann Informationen mehrfach nutzen – für Compliance, ESG‑Reporting, Kundenservice, Marketing sowie Rücknahme‑ und Reparaturprozesse oder noch vieles mehr.

Person is scanning the DPP of a garment with a smartphone

Der Digitale Produktpass kann – richtig eingesetzt – ein großer Mehrwert für Unternehmen sein.

Redaktion:
Sie sprechen von Potenzial. Können Sie das greifbarer machen?

Stefan Führer:
Gerne. Wenn ein DPP mit zusätzlichen Features angereichert wird, entstehen neue Möglichkeiten:
Transparenz schafft Vertrauen, verifizierbare Nachhaltigkeitsdaten unterstützen Markenpositionierung, und strukturierte Produktdaten sind die Grundlage für nachhaltige Geschäftsmodelle wie Reparaturservices oder Rücknahmesysteme. . Kurz gesagt: Eine regulatorische Verpflichtung kann zu einem strategischen Instrument werden.

Redaktion:
Ist der Markt dafür überhaupt schon bereit?

Stefan Führer:
Unsere Erfahrung zeigt: Technologisch ja – organisatorisch oft noch nicht vollständig. Viele der benötigten Bausteine existieren bereits, etwa eindeutige Produktkennzeichnungen, digitale Plattformen oder Schnittstellen zu bestehenden IT-Systemen. Gleichzeitig werden heute bereits sehr viele Daten erhoben, diese sind jedoch häufig noch nicht zentral, standardisiert oder konsistent nutzbar. Die Herausforderung liegt weniger im „Ob“, sondern im „Wie sinnvoll nutzen wir es?“. Genau hier begleiten wir Unternehmen.

Redaktion:
Welche Rolle nimmt Securikett dabei ein?

Stefan Führer:
Wir verstehen uns als Brückenbauer zwischen physischem Produkt und digitaler Information. Unsere Stärke liegt darin, Produkte eindeutig, sicher und manipulationsgeschützt mit digitalen Daten zu verknüpfen. Das ist eine zentrale Voraussetzung für jeden funktionierenden DPP.
Gleichzeitig betrachten wir den DPP nicht als Insellösung. Interoperabilität und die Orientierung an offenen Standards sind für uns zentral, damit Daten systemübergreifend nutzbar bleiben und nicht in neuen Silos enden.

Redaktion:
Wird der DPP Ihrer Meinung nach aktuell unterschätzt?

Stefan Führer:
Ja, eindeutig. Der Digitale Produktpass wird vielerorts noch als reine Pflicht gesehen – dabei wird unterschätzt, welches Potenzial er als strukturelles Dateninstrument hat.

Die größte Hürde ist dabei selten die Technologie, sondern eine fehlende, saubere und konsistente Daten- und Informationsverwaltung über zahlreiche, historisch gewachsene IT-Systeme hinweg. Ohne belastbare Masterdaten geraten solche Projekte ins Stocken, explodieren in Aufwand oder werden ganz eingestellt. Die aktuelle Entwicklung in vielen Unternehmen zeigt ein bekanntes Muster: Ambitionierte KI-Projekte scheitern oder verzögern sich massiv, weil grundlegende Voraussetzungen fehlen.

Genau hier liegt eine Parallele zum DPP. Wer zu spät beginnt, läuft Gefahr, unter Zeitdruck regulatorische Anforderungen erfüllen zu müssen – inklusive potenzieller Strafzahlungen. Wer früh startet, nutzt den DPP als Anlass, strukturelle Schwächen sichtbar zu machen und rechtzeitig zu beheben, bevor sie zum Risiko werden.

Redaktion:
Dürfen sich die Leserinnen und Leser auf eine Fortsetzung freuen?

Stefan Führer:
Sehr gerne. Der Digital Product Passport wird uns über Jahre begleiten. In den kommenden Ausgaben können wir einzelne Aspekte gezielt beleuchten – praxisnah, verständlich und immer mit Blick auf den Nutzen für Marken und Hersteller.
Und selbstverständlich gilt: Wer bereits konkrete Fragen hat, kann diese jederzeit einbringen.

Stefan Führer presented Codikett 2.0 at the Forum Unique Codes

Stefan Führer | IT Projekt Manager bei Securikett

Hinweis der Redaktion:
In einer fortlaufenden Kurzrubrik wird Securikett künftig regelmäßig Einblicke und Impulse rund um den Digital Product Passport liefern – kompakt, praxisorientiert und mit Blick auf die Chancen für Unternehmen.

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